Freitag, 13. Juli 2018

In Goss we trust

Zwar lehrte uns Heraklit von Ephesos, man könne nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen und obendrein ist sein berühmtes πάντα ῥεῖ meinem Blog als Motto vorangestellt, doch gibt es Wirtshäuser, da ändert sich von Besuch zu Besuch gefühlt nichts.

In den meisten Fällen bedauere ich das, aber im Fall des Brauereigasthofes Goss in Deuerling ist es der Grund an sich, dort wiederholt vorbeizuschauen, weil Chefin Gabriele Goss auf ihrem traditionellen Holzofen erstens hervorragend kocht und zweitens ihr Mann derart ausgezeichnetes, eigenständiges Bier braut, dass ich inständig hoffe, es möge sich auch künftig nichts, aber auch bittschön gar nichts ändern.

Gut, irgendwas ist ja immer, so auch in Deuerling, aber Küche und Bier überstrahlen die Verbesserungspotenziale derart souverän, dass ich mich kaum getraue zum Nörgeln anzusetzen ...
von Robert Bock

Freitag, 6. Juli 2018

Schweinsbraten, zefix! - In der Schlosswirtschaft Heitzenhofen

So zum Küssen war die Luft an einem Sonntag lange nicht. Von stahlblauen Himmeln lacht die Sonne, kein Wölkchen hingetupft, gleichwo.

B i e r g a r t e n raunt die bairische Seele und drängt mich, meine charmante Begleiterin anzurufen, um sie mit diesem meinem Seelenraunen zu infizieren.

Wohin, will sie wissen. Nach Heitzenhofen schlage ich vor, denn heut sei Naabtalwetter. Die Schlosswirtschaft dort hab ich schon eine Weile auf der Liste. Noch bevor Kabel Eins Wirt&Wirtshaus in einer Staffel von Mein Lokal, dein Lokal vorstellen und mir womöglich die Lust versauen wird, will ich mir vor Ort ein eigenes Bild machen - unbeeinflusst der von redaktioneller Hand wahrscheinlich wieder künstlich geschürten Konflikte und der Gossip-Geilheit, die solche TV-Formate bedienen.
von Robert Bock

Freitag, 29. Juni 2018

Ein Grieche, nahe dran am Original

Endlich, endlich habe ich einen gefunden: Einen Griechen, der Speisen wie in  Hellas' Tavernen anbietet.

Nein, keine dieser Spelunken in der Umgebung von Sightseeing-Hotspots, wo Pauschaltouristen abgefertigt werden, sondern eines der Lokale  in denen die Einheimischen verkehren.

Keine Metaxa-Soße, keine Gyros-Kalamari-Teller, weder Apollon-Spieß noch Meteora-Platte für 2, 4 oder 6 Personen. Und auf keine Poseidon-Platte mit vietnamesischem Pangasius samt kreuzlangweiligem Tomatenreis. Den serviert man nirgendwo in Griechenland, mit Ausnahme der Touristenfallen. Endlich ein Grieche, zu dem sich - jawohl! - sogar eine Anfahrt von mehr als 100 Kilometern lohnt!

Wo? In Karlshuld. Where the f...?!  Zwischen Ingolstadt und Neuburg an der Donau. Hamos - Greek Taverna & Bar heißt der Laden und seine Chefin hört auf den schönen Namen Chrisoula.

Ihr hat  mindestens wie mir gestunken, was die Masse ihrer Landleute ihren Gästen hier in Deutschland vorzusetzen sich erdreisten. Genau deswegen hat sie sich in den Kopf gesetzt, es besser zu machen und am 02. Juni 2017 ihr Lokal eröffnet. Nahe dran an den Originalen ihrer Heimat will sie sein. Es ist ihr unterm Strich gelungen. Doch irgendwas ist halt immer. So auch hier ...
von Robert Bock

Freitag, 22. Juni 2018

Sieben Gänge Stefan Marquard

Wer mit dem Namen Stefan Marquard, dem (Mit-)Begründer des jungen, wilden Kochens in Deutschland, dem Rockstar unter den Köchen nichts anzufangen weiß, schaut keine Kochsendungen und ist kulinarisch vermutlich in den 1980er Jahren steckengeblieben.


Stilbildend war und ist dieser Stefan Marquard, ein kreativer Tüftler vor dem Herrn, was das Ersinnen und Optimieren neuer Kochtechniken angeht. Die Zahl der von ihm ausgebildeten Nachwuchsköche, die es im Lauf der Zeit zu Reputation in der Szene geschafft haben, ist Legion: Lucki Maurer, Helmut Schwögler, Sebastian Völkl, Johann Pilz um nur eine kleine Handvoll herauszugreifen.

Neulich hatte ich Gelegenheit im oberbayerischen Langenbach (Nähe Moosburg und Freising) einem kulinarischen Abend mit Stefan Marquard beizuwohnen. Augustin "Gustl" Keller, Metzgermeister und Fleischsommelier, und seine Schwester Barbara hatten zu einem kulinarischen Mega-Event in die Räumlichkeiten von Feinkost Keller geladen. Es sollte ein Abend großer kulinarischer Klasse werden ...
von Robert Bock

Freitag, 15. Juni 2018

Griechische Tragödie in Donaustauf

Es ist nicht meine Absicht hier zu speisen, es ergibt sich umständehalber.

Im Biergarten eines bayerischen Gasthofs will ich eigentlich an Fronleichnam zu Mittag einkehren, habe in meiner Blauäugigkeit jedoch nicht reserviert und keine Chance zwei Plätze zu ergattern.

Zwei Stunden Wanderung bei brütender Hitze hinauf zur Burgruine Donaustauf - unbedingt besichtigenswert, nebenbei bemerkt! - liegen hinter uns und wir haben einen Mörderdurst, aber auch der kleine Hunger macht auf sich aufmerksam.

Kein Schweinsbraten, keine Brotzeit, kein Auto um andere Ziele anzusteuern: Was tun? Ob da vorne am Eck nicht ein Grieche sei?, frage ich meine charmante Begleiterin; Athen der Name des Lokals, Hellas' Hauptstadt in der ich eine Weile gelebt und gearbeitet habe. Sie schaut mich ungläubig an: "Du willst allen Ernstes zum Griechen? DU ...?"
von Robert Bock

Freitag, 8. Juni 2018

High Noon in Dechbetten

Es liegt schon rund eineinhalb Jahre zurück, da wurde ich aus einer berühmt-berüchtigten Regensburger Restaurantkritik-Gruppe auf Facebook geworfen.

Was war geschehen? Ich hatte ein Foto eines ausgesprochen lieblos auf den Teller geworfenen Hauptganges einer Firmenweihnachtsfeier gepostet.

Eine mir persönlich vertraute Person, beflissen in der Kunst des Kochens und eines kompetenten Urteils fähig, hatte mit ihren Arbeitskollegen einen - drücken wir es euphemistisch aus - kulinarisch enttäuschenden Abend erlebt und mir das Foto zukommen lassen. Sehr viel mehr als den Namen des Lokals hatte ich an Text nicht gepostet: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Es verstrichen nur wenige Minuten und der Wirt des Lokals echauffierte sich über meine Unverschämtheit dieses wenig schmeichelhafte Foto zu posten.  Er hob, so meine Erinnerung an den Vorfall, zu einer ausführlichen Selbstrechtfertigung an, doch wie es oft im Leben ist: Qui s’excuse, s’accuse ...
von Robert Bock

Mittwoch, 6. Juni 2018

Verkostungsnotiz: 2017er Stairs'n'Roses Next Generation QbA

2017er Stairs'n'Roses Next Generation QbA | Cabernet blanc - Cal 6-04 | Julia Molitor-Justen & Dr. Daniel Molitor | Kinheim-Kindel | Mosel

Alc. 12% | 0,75L | Schraubverschluss | 8,00 €


Den beiden Müller-Thurgau-Maniacs Julia und Daniel wurde ein Sohn geboren. Julius heißt der Kleine, dessen Fußabdruck das Frontetikett ziert, und er stellt die nächste Generation dar, die dem Wein den Namen gibt.

Aber nicht nur, denn der Wein besteht aus den ersten Trauben des "Wild&Strong-Weinbergs" des Winzerehepaares von der Mosel: Wild = anti-autoritärer Minimalschnitt, Strong = pilzwiderstandsfähige Rebsorten der nächsten Generation: Cabernet blanc und Cal 6-04.

Ich hatte Gelegenheit diesen symbolbeladenen Tropfen zu probieren - hier meine Verkostungsnotiz:
von Robert Bock ...