Samstag, 12. November 2016

Toms Kochschule an der OTH Regensburg

Tom Rosenberger ist nicht nur glühender Fan und Sponsor des SSV Jahn Regensburg, er ist auch ein hervorragender, unglaublich vielseitiger Koch und beliebter Kochlehrer.

Kaum zu zählen sind die Kochkurse, die er in den zurückliegenden Jahren zu unterschiedlichsten Themen abgehalten hat, beeindruckend die Zahl seiner Kunden, die als "Wiederholungstäter" einem ersten, weitere Kurse folgen lassen. Es hat Gründe, weshalb sich Toms Kochschule bei Küche Aktiv in der Landshuter Straße 74 in Regensburg so erfolgreich etabliert hat.

Einer dieser Gründe ist: Tom Rosenberger will nicht nur, dass seine Kunden, die Kochkurse, Team-Building-Veranstaltungen und Genuss-Events bei ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen buchen, zufrieden sind - er strebt an, sie zu begeistern!

Um Kunden zu begeistern, bedarf es der Ermittlung ihrer Ansprüche, Wünsche, ihrer Zufrieden- und Unzufriedenheit mit dem Gebotenen. Tom ist Unternehmer, er weiß, wie wichtig das ist und ist modernen Methoden der Unternehmensführung gegenüber ebenso aufgeschlossen wie jungen Küchentrends.

So lag es meinerseits nahe, Tom Rosenberger für ein kleines Praxisprojekt meiner Allgemeinwissenschaftlichen Lehrveranstaltung "Grundlagen der Marktforschung" an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg zu begeistern ...
von Robert Bock

Ich: "Also Tom, der Deal sieht folgendermaßen aus: Du stellst im Rahmen eines Vorlesungstermins dich und dein Unternehmen vor und erläuterst, welche Informationen dir im Rahmen einer Kundenbefragung wichtig wären, "motivierst" meine Studentinnen und Studenten mit einer "kleinen kulinarischen Stärkung" und anschließend entwickeln sie für dich in Kleingruppen mehrere alternative Vorschläge für einen Fragebogen zur Messung der Kundenzufriedenheit, die du in deinem Unternehmen künftig einsetzen kannst. Zwei Wochen später folgen Präsentation und Diskussion der Fragebogenentwürfe im Plenum. Wäre das für dich interessant?"

Tom Rosenberger (zögert keine Sekunde!): "Super, da bin ich dabei!" 

So besprochen anlässlich der Präsentation seines großartigen Tomaten-Kochbuches im Mai 2016, so Wirklichkeit geworden im Oktober/November 2016.

Zum ersten Termin rückt Tom mit prall gefüllten Laderaum seiner Piaggio Ape an. Seine halbe Küche scheint er eingepackt zu haben: Unmengen Teller und Tupperboxen, Induktionsplatte, Pfanne, ein Kasten Getränke, und und und ... Die "kleine kulinarische Stärkung", die vereinbart war, entpuppt sich als Festschmaus für verwöhnte Gaumen!

Street-Food ist angesagt ... Durch die weiten Flure des Gebäudes der Fakultät Maschinenbau wabern appetitanregende Gerüche. Die Bezeichung Hörsaal-Food wäre angebrachter, denn statt an zugigen Straßenecken zu stehen, sitzen wir gemütlich im wohlig warmen Hörsaal und geniessen ein Zipfelchen von Toms Kunst.

Gua Bao serviert er den rund  dreissig für den Kurs eingeschriebenen Studentinnen und Studenten verschiedenster Studienrichtungen: Eine laotische Spezialität, was übersetzt "Tiger frisst Schwein" bedeutet.

Dahinter verbirgt sich köstlichstes, langsam gegaartes Schweinefleisch, das mit Koriander, Frühlingszwiebeln, Erdnüssen, süß-sauer-scharfer Soße und dergleichen mehr, erst in einen Teigfladen eingerollt, dann aus der Hand verspachtelt wird.

Dazu gibt Tom verschiedene Sorten reichlich abgespacter alkoholfreier Erfrischungsgetränke aus. Papa Sisha, Geschmacksrichtung Sisha-Doppelapfel, oder Papas original "Kuss-Brause" Papa Türk - "Limettig-Minzig" verspricht das Etikett.

Die ultimative Allzweckwaffe gegen jede Zwiebelfahne sei das, verspricht Tom den Studenten, derweil die sich brav in Reihe aufstellen, um sich ihren Gua Bao eigenhändig zu wickeln. Einigen erkennt man eine solide Routine im Verfertigen derartiger Wraps an, andere machen fehlende Erfahrung mit Talent wett.

Ich probiere die "Kuss-Brause" - trotzdem sie als "vegan" deklariert ist! - verhafte jedoch bei meiner Überzeugung, dass noch immer keine bessere Waffe gegen eine Zwiebelfahne erfunden wurde, als Knoblauch ...

Derweil die Jugend genussvoll mampft und Nachschlag holt, erzählt Tom über sich und seine Kochschule, seine Kunden und die mannigfaltigen Tücken des Alltags eines Kochschulenbetreibers. Schließlich das Briefing: Auf welche konkreten Themen soll der zu entwerfende Fragebogen Antworten liefern helfen?

Reges Hin und Her von Fragen und Antworten. Tom macht das souverän. Man kennt ihm jederzeit an, dass er es gewohnt ist mehrmals wöchentlich vor größeren Gruppen frei zu reden. Die jungen Leute könnten theoretisch seine Kinder sein - er trifft den richtigen Ton, man dutzt sich und der frühe Samstagnachmittag verläuft enorm entspannt ... Ob's an der veganen Wunderbrause lag oder am Tiger samt Schwein im studentischen Magen ...?

Ich jedenfalls bin stolz behaupten zu können, dass meine die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einzige OTH-Vorlesung mit Catering ist. Vergangenes Semester war es Spyridoula Kagiaoglou, die Olivenölqueen aus Thalmassing, die meine Studenten mit griechischen Leckereien verwöhnt hat. Fürs kommende Sommersemester 2017 freue ich mich, einen umtriebigen und kreativen jungen Metzgermeister aus Niederbayern für ein Praxisprojekt gewonnen zu haben und für das Wintersemester 2017/18 hat sich bereits eine junge Konditorei aus Schwandorf vormerken lassen.

 Praxisorientiert soll ein Studium an einer Fachhochschule sein und mittels solcher Projekte stelle ich unmittelbaren Praxisbezug für meine Studentinnen und Studenten her. Die wissen das zu schätzen: Die Ergebnisse der regelmäßig stattfindende Evaluation meiner Lehrveranstaltungen durch die Studenten bestätigen mir, dass diese Form der Lehrstoffvermittlung gut ankommt. Wer unter meiner geneigten Leserschaft ebenfalls Interesse hat, in Zukunft ein Praxisprojekt an der OTH zu unterstützen und sich seinerseits von meinen Studentinnen und Studenten ein wenig unterstützen lassen möchte, ist gerne eingeladen, mich zu kontaktieren ...

Zwei Wochen später ... Präsentation!

Obwohl das gar nicht Teil unseres Deals ist, kündigt Tom Rosenberger für den zweiten Termin "eine kleine Brotzeit" an.

Er untertrieb: Ein veritables Brotzeitbuffet zaubert er aus seinen Transportboxen: Feine Wurstwaren, Leberkäse, verschiedene Käsesorten, geräucherte Forelle, Essiggurken, Tomatenschnitze, Butter, verschiedene Senfspezialitäten der Senfmanufaktur Rudolf Moser aus Schierling, Brezen und diverse andere Backwaren von Ebner ...

Ohne Mampf kein Kampf, so habe ich es noch bei der Bundeswehr gelernt. Gut gestärkt präsentieren fünf Arbeitsgruppen Tom und mir ihre Fragebogenentwürfe, die sie in den zurückliegenden zwei Wochen erarbeitet haben.

Ich sitze neben Tom und sehe ihm an, wie begeistert er von der Arbeit der Studenten ist. Jeder Vorschlag ist höchst individuell geraten, jeder unterscheidet sich gravierend von den Vorschlägen der anderen Gruppen.  Für alle Anwesenden erstaunlich, wie heterogen Ergebnisse solcher Projekte doch ausfallen. Entsprechend groß ist der Lerneffekt einer solchen Projektarbeit und ihrer konstruktiven Diskussion im Plenum.

Wo der eine Vorschlag glänzt, haben andere Schwächen und umgekehrt. Es fällt enorm schwer, einen Vorschlag zum Gewinner zu küren. Wir einigen uns reinen Gewissens darauf, dass alle Arbeitsgruppen ihre Arbeit gut gemacht haben und Tom beschließt sich nach Rosinenpickermanier aus den fünf Fragebogenentwürfen einen sechsten zusammenzustellen, der rundum alle Informationsbedürfnisse abdecken wird.

Eine prima Sache sei dieses Projekt gewesen, sagt er, bedankt sich bei allen Studentinnen und Studenten, die sich ihrerseits mit anhaltendem Applaus für Speis, Trank und den intimen Einblick in den Betrieb einer Kochschule bedanken.

Wer weiß, vielleicht wird der eine oder andere einmal bei Tom Rosenberger die Kunst des Kochens erlernen oder vertiefen wollen oder beschenkt Mama oder Papa zu Weihnachten oder einem runden Geburtstag mit einem Kochkurs?

Auswärts essen macht Freude - Kochen daheim nicht minder. Regensburgs Hobbyköche dürfen froh um eine so erstklassige Adresse wie Toms Kochschule sein.

Kommentare:

  1. hallo herr bock, das klingt nach einer richtig klasse lehrveranstaltung, aus der Ihre studenten bestimmt jede menge mitnehmen konnten! toll, dass Sie als prof so innovative wege gehen!

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