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Freitag, 24. August 2018

Rainer.Wein


Wenn es in Deutschland Weine gibt, die mich Flasche um Flasche flashen, dann sind es die Weine von Rainer Zang aus Nordheim am Main.

Rainer ist mein unangefochtener primus inter pares unter den "Müller-Thurgau-Maniacs" und ich darf sagen, dass sich - seit er mir vor rund eineinhalb Jahren ein Probierpaket mit drei seiner Müller zugeschickt und ich über sein Weingut und seine Weine geschrieben habe - eine Freundschaft zwischen uns entwickelt hat.

Es blieb nach dem fulminanten Flash dieser drei Müller-Flaschen nicht aus, dass ich sein Weingut im Sommer letzten Jahres einfach besuchen musste, im März diesen Jahres trafen wir uns auf dem großartigen AromiA-Festival in Würzburg wieder und jetzt war ich erneut auf Stipvisite an der Mainschleife.
von Robert Bock

Montag, 21. Mai 2018

Verkostungsnotiz: Frau Müller aus Schweinfurt

Frau Müller | 2017er Müller-Thurgau feinfruchtig QbA | Weingut Dahms | Schweinfurt-Sennfeld | Franken 

Jürgen und Alexander Dahms haben erneut zugeschlagen. Die beiden Müller-Thurgau-Maniacs haben einen feinfruchtigen Müller-Thurgau aufgelegt. In einer schicken dunkelgelben Roy-Lichtenstein-Etikettierung, hört er, in schwungvollem Schiftzug gesetzt, auf den Namen Frau Müller.

Mir wurde die Freude und Ehre zuteil Frau Müller zu verkosten. Hier meine Notizen:

Im Glas (Spiegelau Authentis Weißweinkelch): Hellgelb mit grünen Reflexen.

Nase: Gelber Apfel, Aprikosen, kandierte Ananas, Honig (dezent) / opulent und wuchtig ohne zu übertreiben.

Zunge&Gaumen: Knackige, frische Säure; gut balanciert mit an der Zungenspitze charmanten Frucht, die gegen den Gaumen zu ins grün-grasig-kräutrige tendiert. Feinporige Mineralität, feinperliges Moussieren, Kräuter, Zitrusfrüchte (Grapefruit), Granny Smith-Apfel, Aprikosen, Weiße Gummibärchen, Eisbonbon (Scheurebe-Anteil?).

Fazit: ...
von Robert Bock

Montag, 30. April 2018

Müller-Thurgau-Maniacs (XVI): Julia Glaser | Weingut Glaser-Himmelstoss | Dettelbach und Nordheim am Main | Franken

In Mainfranken scheinen überdurchschnittlich viele Winzerinnen und Winzer ihren Müller-Thurgau zu lieben, auch wenn sie ihn Rivaner nennen. Wer einen Blick auf die Liste meiner Ehrentitelträger wirft, versteht, was ich meine: 8 von 15 Winzerinnen und Winzern sind in Franken beheimatet.

Mit dem Weingut Glaser-Himmelstoss aus Dettelbach und Nordheim am Main findet das erste V.D.P.-Weingut Eingang in die Liste der "Müller-Thurgau-Verrückten".

Konkret in Person der "Juniorchefin" Julia Glaser, die, nach Abschluss ihrer Winzerausbildung vor zwei Jahren und ihrem Studium von Weinbau und Önologie in Neustadt an der Weinstraße, in das Familienweingut, das sie selbst als "Drei-Generationen-Weingut" bezeichnet, heimgekehrt ist, um dort Verantwortung für Gegenwart und Zukunft des Betriebes zu übernehmen.

"Altbewährtes erhalten und Neues zulassen", schreibt mir Julia Glaser. Nach dem Motto, was gut sei, bleibt, halte man an Traditionen fest, man sei sich aber für spannende Neuerungen nicht zu schade. Und wer weiß, vielleicht werde aus etwas, was im Kleinem anfange, ja irgendwann ein bewährter Bestandteil ihres Tuns ...
von Robert Bock

Samstag, 24. Februar 2018

Müller-Thurgau-Maniacs (XV): Guido Walter und Jürgen Hofmann | Fritz Müller | Appenheim | Rheinhessen

Man muss wohl auf besondere Art durchgeknallt sein, um mit Müller-Thurgau-Weinen das anzustellen, was Guido Walter und Jürgen Hofmann mit den Trauben der Müller-Thurgau-Rebe tun.

Aber wenn MTH knallen soll, respektive der Korken, wenn man ihn aus seinem gläsernen Gefängnis befreit, dann funktioniert das nicht anders: Die beiden frisch gekürten Müller-Thurgau-Manaics produzieren unter der Marke Fritz Müller Schaumweine aus dem Rebensaft, den leider viel zu viele Winzer und Weintrinker links liegen lassen.

Winzer Jürgen Hofmann (rechts) aus dem rheinhessischen Appenheim und Weinhändler Guido Walter (links) aus München gebührt unser besonderer Respekt für ihre ökonomisch mutige wie oenologisch kreative Leistung, die Züchtung des alten Friedrich Müller aus Thurgau in der Schweiz in neuem Glanz schimmern zu lassen. Man muss den MTH schon in besonderer Weise lieben, um sich ihm so zu nähern wie die beiden.
von Robert Bock

Freitag, 25. August 2017

Zu Besuch bei Müller-Thurgau-Maniacs (II): Weingut von der Tann in Iphofen

Das kleine Weingut von der Tann im fränkischen Iphofen hat das Kunststück geschafft, unabhängig voneinander in zwei aufeinanderfolgenden Jahrgängen, zwei Müller-Thurgau-Maniacs hervorzubringen: Maggie Schauner, die mich mit ihrem Erstlingswein bezauberte und Steffen von der Tann im Jahr darauf mit zwei völlig unterschiedlichen Müller-Thurgau-Weinen des Rebstockertrages eines Jahrgangs.

Grund, sich anzukündigen und den beiden sympathischen jungen Leuten einen Kennenlernbesuch abzustatten. Was mich für beide besonders freut: Das Genussmagazin selection kürte das Weingut von der Tann jüngst in seinem Degustationswettbewerb zum viertbesten Müller-Thurgau-Weingut Deutschlands 2017 und zum besten Müller-Thurgau-Weingut Frankens 2017.

Das freut mich sehr, zeigt es mir doch, dass ich mit der Aufnahme der beiden in die Galerie der Müller-Thurgau-Maniacs so falsch nicht gelegen haben kann ...
von Robert Bock

Freitag, 18. August 2017

Zu Besuch bei Müller-Thurgau Maniacs (I): Öko-Weingut Zang in Nordheim am Main

Wenn mich in den zurückliegenden Monaten Müller-Thurgau-Weine im wahrsten Sinne des Wortes geflasht haben, dann jene, die mir Rainer Zang aus Nordheim am Main zugeschickt hat.

Nachzulesen HIER und Anlaß genug, den Schöpfer dieser großartigen, nach strengen Naturland-Standards produzierten Weine persönlich kennenlernen zu wollen.

Es ist stets ratsam, man kündigt einen Besuch im Weingut rechtzeitig an, denn der Weinberg will seinen Herrn bekanntlich täglich sehen. Vier Stunden nahmen sich Rainer und Maximilian Zang Zeit, vier Stunden, die mir ungeheuer lehrreich waren. Das und reich an Genuss! Die Flamme der Leidenschaft für den Wein lodert in beider Augen. Der Vater ist fränkisches Winzer-Urgestein, doch verrät sein ergrauter Pferdeschwanz, dass Rainer Zang kein angepasster Durchschnittswinzer ist und niemals war. Wer seit bald 30 Jahren ökologisch nach den strengen Kriterien von Naturland wirtschaftet, ist keiner, der Angst davor hat, anzuecken ... Der Sohn hat sich erst spät dazu entschieden, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Er absolviert gerade ein Duales Studium in der Pfalz und vertieft die Theorie mit Praxis in einem der angesehensten Weingüter Deutschlands, bei von Winning.
von Robert Bock

Mittwoch, 19. Juli 2017

Müller-Thurgau-Maniacs (XIV): Jürgen und Alexander Dahms | Weingut Dahms | Schweinfurt | Franken


Wenn über dem Maindreieck allmorgendlich die Sonne aufgeht , dann zuallererst in Schweinfurt.

Am nordlichen Zipfel des östlichen Schenkels des Dreiecks, das sich über den unteren Scheitelpunkt bei Marktbreit und Segnitz bis Gemünden im Nordwesten spannt, bauen Jürgen (rechts im Bild) und Alex Dahms (links) in nunmehr dritter Generation Wein an.

Sie legten Wert auf den Erhalt des natürlichen Charakters, den das jeweilige Terroir den Weinen mit auf den Weg gebe, den schonenden Umgang mit der Pflanze und der Umwelt sowie ein harmonisches Zusammenspiel von Forschung, Technik und Erfahrung, erfahre ich auf der Website des Weingutes. Tradition und Innovation zu verbinden, sei beider Cousins Anspruch. Bio-Weine und auch vegane Produkte finde ich im Sortiment, man geht mit der Zeit ...

Ich gestehe ein, bislang noch nie einen Wein aus Schweinfurt im Glas gehabt zu haben - zumindest nicht bewußt. Desto größer meine Neugier auf die trockene 2016er Müller-Thurgau Spätlese aus der Lage Schweinfurter Peterstirn, mit der sich Alex und Jürgen um den Ehrentitel "Müller-Thurgau-Manic" bewerben.
von Robert Bock

Mittwoch, 7. Juni 2017

Müller-Thurgau-Maniacs (XIII): Lukas Schmidt und die Paradieswein-Winzer aus dem Weinparadies Franken

Diesmal verleihen wir die den Ehrentitel Müller-Thurgau Maniac an 14 Weinbaubetriebe des Weinparadies Franken.

Dieses umfasst sieben Ortschaften, die sich im südlichen Teils des Steigerwaldes, teils auf Unter-, teils auf mittelfränkischem Territorium befinden: Bullenheim, Hüttenheim, Nenzenheim, Ippesheim, Reusch, Seinsheim und Weigenheim.

Um in ihrem gemeinsamen Anbaugebiet näher zusammen zu rücken, haben die beteiligten Weinbaubetriebe der "Weinparadies Franken ArGe" beschlossen einen gemeinsamen Wein anzubieten: den Paradieswein.

Sie hätten sich auch für den für Franken so typischen Silvaner entscheiden können, aber ihre Wahl fiel bewußt auf den Müller-Thurgau. Jeder beteiligte Weinbaubetrieb schätze seinen Müller-Thurgau, jedoch sei es zunehmend schwer diesen zu verkaufen, wurde mir erklärt. Viele Winzer würden deshalb die mit der Müller-Thurgau Rebe bestockte Fläche zurückfahren. Aber Franken ohne Müller-Thurgau? Wie soll das gehen?!
von Robert Bock

Mittwoch, 24. Mai 2017

Müller-Thurgau Maniacs (XII): Julia Molitor-Justen und Dr. Daniel Molitor aus Kinheim-Kindel


Wenn Sprößlinge alteingesessener Winzerfamilien heiraten, erinnert mich das entfernt an die Heiratspolitik des Hochadels vergangener Zeit. Bella gerant alii, tu felix Austria nube an der Mosel?

Nein, die Liebe führte Julia Molitor-Justen und Daniel Molitor zueinander. Sie entstammt dem Meulenhof in Erden, er dem Viermorgenhof in Kinheim-Kindel. Beide Ortschaften trennt nur die Gemeinde Lösnich, die gemeinsame Qualitätsphilosophie verbindet die beiden Traditionsweingüter.

Kinheim zählt rund 800 Einwohner und liegt an der linken Seite der Mittelmosel auf Höhe des Mosel-Flusskilometers 116. Aus der Vogelschau, grob gesagt, etwa auf halber Strecke einer gedachten Linie, die Trier und Koblenz verbindet. Die Gemeinde ist geprägt von Weinbau und Tourismus. Auf circa 120 ha Rebfläche gedeihen Weine in den Einzellagen Rosenberg, Hubertuslay und Römerhang. Alle drei Weinlagen gehören zur Großlage Schwarzlay und zum Bereich Bernkastel des Anbaugebietes Mosel ...
von Robert Bock

Mittwoch, 17. Mai 2017

Müller-Thurgau-Maniacs (XI): Martin und Stefan Pichler aus Krems


Martin und Stefan Pichler gebührt die Ehre, als erste Österreicher Aufnahme in den Kreis der Müller-Thurgau-Maniacs Aufnahme zu finden.

In Niederösterreich, genauer gesagt in Krems an der Donau sind die Brüder daheim. Dort, 70 Kilometer westlich von Wien, am Eingang zum Weinanbaugebeit Kremstal und unmittelbar östlich angrenzend an die berühmte Wachau, bauen die Juniorchefs des in dritter Generation im Familienbesitz befindlichen Weinbaubetriebs Weinbau Pichler im Mitterweg 46 im rund 25.000 Einwohner zählenden Krems Wein und Obst an, was das angeht, vor allem Marillen am Fuße des Göttweigers.

Opa Erich Pichler sen. begründete im Jahr 1984 die Pichler'sche Weinbauerndynastie, sein Vater Erich jun. und Anna führen den Betrieb fort und ihre Söhne Stefan und Martin stehen in Weinberg und Keller längst ihren Mann und sind mittlerweile reif, den Stab zu übernehmen. Die vierte Generation steht mit Stefans und Evelyns Sohn Andreas seit 2016 in den Startlöchern.
von Robert Bock

Donnerstag, 11. Mai 2017

Müller-Thurgau Maniacs (X): Steffen von der Tann aus Iphofen

Das Weingut von der Tann in Iphofen am Rande des Steigerwaldes in Franken hat nunmehr zwei Träger des Ehrentitels "Müller-Thurgau-Maniac" aufzuweisen, denn die Partnerin von Steffen von der Tann, Maggie Schauner, hat im vergangenen Jahr mit ihrem Premieren-Müller-Thurgau ein Tröpfchen auf die Flasche gezogen, das mir enorm imponiert hat.

Die Verleihung des Ehrentitels an seine Freundin habe keineswegs an seinem Ego gekratzt, sagt Steffen, eher habe es sein Selbstwertgefühl gestärkt, denn schließlich habe seine Maggie viel von ihm gelernt.

Trotzdem wirft er nun ein Jahr nach ihrem Erfolg den Hut in den Ring und bewirbt sich seinerseits mit zwei ziemlich unterschiedlich konzipierten Müller-Thurgau-Weinen um die Aufnahme in die Walhalla der Müller-Thurgau-Winzer ...
von Robert Bock

Dienstag, 2. Mai 2017

Müller-Thurgau-Maniacs (IX): Rainer Zang aus Nordheim am Main

Ich war mir nicht mehr sicher, drum hab ich nachgeschaut: Zwölf Jahre sind es mittlerweile her, da habe ich in Nordheim am Main einen Kurzurlaub verbracht.

Ich erinnere mich langer Läufe im Morgengrauen durch legendäre Lagen der Weininsel an der Mainschleife bei Volkach: Nordheimer Vögelein und Kreuzberg, Sommeracher Katzenkopf, Engelsberg und Rosengarten. Musik in den Ohren vieler Weinliebhaber und -kenner.

Das Maindreieck ist reich an legendären Weinlagen. Hier an der Mainschleife drängen sie sich dicht an dicht. Gleich gegenüber beispielsweise, am Nordufer des Mains der Escherndorfer Lump: Welch imposanter Weinberg, welch große Rieslinge und Silvaner an diesem steilen Hang gedeihen!

Dass ich damals Rainer Zangs Weingut besucht habe, halte ich für unwahrscheinlich. Zumindest erinnere ich mich dessen nicht. Und ich würde mich dessen bestimmt erinnern, denn Rainer Zang und seine Weine ragen aus dem Mainstream der Massenweine wie Felsen aus lebhafter Brandung.

So anachronistisch seine Philosophie auf den ersten Blick anmutet, so zukunftsweisend ist sie. Er setzte bereits auf "Naturweine", die in Spontanvergärung und langer Maischestandzeit zum Leben erwachen, da führte hierzulande kaum jemand den heute wohlfeilen Modebegriff "Orange-Wine" im Munde.
von Robert Bock

Mittwoch, 26. April 2017

Müller-Thurgau-Maniacs (VIII): Angelina Schmücker aus Essenheim

Foto: Angelina Schmücker
Im Ruhrgebiet sei sie aufgewachsen, schreibt die 29 Jahre junge Angelina Schmücker auf ihrer Webseite, aber als Jugendliche habe es sie mit ihren Eltern nach Rheinhessen verschlagen. Bis dahin habe sie weder gewußt, wie Wein hergestellt wird, noch, dass es so etwas wie Weinreben gibt.
In Rheinhessen angekommen, habe sie rasch die rheinhessische Lebensart lieben gelernt: Herzlich, offen, immer etwas Gutes zum Essen und mindestens einen Schoppen auf den Tisch. Aber Winzerin zu werden ...? Auf diese Idee wäre sie damals nie und nimmer gekommen.
So absolvierte Angelina Schmücker zunächst eine Ausbildung zur Industriekauffrau und half nebenbei, wie schon während ihrer Schulzeit, einem befreundeten Winzer im Weinberg. Dass es auch möglich ist, ohne einen eigenen Familienbetrieb im Rücken, den Beruf des Winzers zu erlernen, war ihr damals nicht bewußt, jedoch stand für die junge Frau eines fest: Das ist meinTraumberuf! 
von Robert Bock

Mittwoch, 19. April 2017

Müller-Thurgau-Maniacs (VII): Johannes Deppisch aus Erlenbach bei Marktheidenfeld

Johannes Deppisch führt die Privatkellerei Deppisch in Erlenbach bei Marktheidenfeld in mittlerweile fünfter Generation.

140 Jahre Weingutgeschichte: Tradition kann eine Last sein, aber auch beflügeln. Theo Deppisch hat vor einigen Jahren die Verantwortung in des Sohnes Hände gelegt und der prägt seither die Politik des Traditionsbetriebs und die Stilistik seiner Weine.

Diese seien, in seinen Worten ausgedrückt, markant, bodenständig und verfügten über individuelle Persönlichkeit. Jahr für Jahr strebe er an, dass Wein für Wein bei ausgeprägter Fruchtigkeit die typischen Merkmale von Jahrgang, Rebsorte und Lage wiedergebe.

Tradition bedeutet für Johannes Deppisch nicht das Bewahren der Asche, sondern die Flamme am Lodern zu halten. In diesem Sinne lebt er Innovation, ohne die Wurzeln der großen Tradition seines Weingutes zu kappen.

Ob sich diese Philosophie auch in dem Rivaner spiegelt, von dem in diesem Feature die Rede sein soll ...?
von Robert Bock

Donnerstag, 21. Juli 2016

Müller-Thurgau-Maniacs (VI): Maggie Schauner aus Iphofen

Foto: Weingut Von der Tann
Man mag es nicht für möglich halten, aber die gute Margarete Schauner hat als Nei'gschmeckte, wie man in Mainfrankens Winzerkreisen Menschen nennt, die nicht aus einer Winzersfamilie stammen, mit ihrem ersten selbstausgebauten Wein bei der Fränkischen Weinprämierung eine Silbermedaille eingeheimst!

Von diesem Wein und seiner Schöpferin soll heute hier die Rede sein: Ein 2015er Müller-Thurgau halbtrocken Kabinett vom Iphöfer Kronsberg.

Wobei - wäre es nicht unfair den Mann im Weinberg zu verschweigen? Der Mann, der ihr - holterdiepolter - ein Fass voll 3000 Litern seines frisch gekelterten Müller-Thurgau-Rebensaftes vor die Nase stellte und zu ihr sagte: "Zeig, was du kannst, Maggie! Zeig mir, was ich dir in den zurückliegenden sieben Jahren, seit wir beide uns kennen- und lieben gelernt haben, beigebracht habe!"

3000 Liter eingefangenen Sonnenscheins und Knochenarbeit für einen Erstversuch riskieren? Wer würde da nicht weiche Knie bekommen ... Maggie handelte ihren Liebsten auf 600 Liter herunter, aus denen sie schließlich 500 Liter ihres ersten eigenen M-Th ausbaute. Diese Menge, meint sie, hätte man notfalls noch selbst trinken können, wenn's in die Hose gegangen wäre ...
von Robert Bock 

Freitag, 10. Juni 2016

Müller-Thurgau-Maniacs (V): Achim und Lukas Bicking aus Wallhausen/Nahe

Achim und Lukas Bicking | copyright: Andreas Durst
"Müller-Thurgau-Maniac" ist ein Ehrentitel, den wir an junge Winzer jeden Alters verleihen, die sich um die Renaissance dieser leider in Verruf geratenen Rebsorte verdient machen.

Wer die Richtung nicht kenne, in die er segeln will, für den stehe der Wind nie günstig, meinte vor beinahe 2000 Jahren der große Seneca.

Die Bicking-Brüder wissen wo's hingehen soll: "Die Ziele können nicht groß genug sein: Wir wollen zu den Besten gehören!" So verkünden es die beiden jungen Burschen auf ihrer Homepage und seit 2014 arbeiten Achim und Lukas gemeinsam am Gipfelsturm. In Gauersheim, im Norden der Pfalz, dort wo das Zellertal sein Ende findet, sind sie zuhause. Ihrem Hausberg, dem Gauersheimer Donnersberg, wollen sie den Rang in der Welt des Weines verschaffen, der ihm ihrer Überzeugung nach zustehe: Einen prominenten, einen herausragenden Rang in der an großen Lagen nicht gerade armen Welt des deutschen Weins. Mittlerweile diversifizieren sie geographisch nach Wallhausen an die Nahe und mit ihrer bemerkenswert stoffigen 2015er Weißweincuvée R'n'B schlagen sie eine Brücke über die rund 50 Kilometer, die Gauersheim und Wallhausen trennen: Riesling und Grauburgunder stammen aus ihren Lagen in der Pfalz, der Weißburgunder von der Nahe. Klingt ungewöhnlich? Gewöhnlich war gestern - heute ist Rock'n'Roll!
von Robert Bock

Mittwoch, 1. Juni 2016

Müller-Thurgau-Maniacs (IV): Thomas Braun aus Fahr am Main

"Müller-Thurgau-Maniac" ist ein Ehrentitel, den wir an junge Winzer jeden Alters verleihen, die sich um die Renaissance dieser leider in Verruf geratenen Rebsorte verdient machen.

Thomas Braun ist das, was man sich in Bayern unter einem gstandnen Mannsbild vorstellt.

Weitgereist ist der 45-jährige glühende HSV-Fan in Sachen Wein, hat mit seiner Frau Heike, mit der er in zweiter Generation seit 1998 das Familienweingut Braun in Fahr am Main nebst Gästehaus, der Häckerwirtschaft Brauner Bär und Weiße Taube und neuerdings auch eine Wein-Bar namens Fahr Away in Volkach betreibt, die weite Welt des Weins bereist.

Ins Nappa Valley nach Kalifornien führte die beiden 1999 eine ihrer ersten großen Wein-Reisen. Dort besuchten sie weltberühmte Weingüter und sammelten Eindrücke und neue Ideen. Spanien, Frankreich und Italien folgten. Reisen ins Herz des Weins, Augen auf und immer der Neugier nach!
von Robert Bock

Sonntag, 22. Mai 2016

Müller-Thurgau Maniacs (III): Corinna und Stefan Heß aus Rödelsee

Corinna und Stefan Heß, Weinwerkstatt Heß, Rödelsee
"Müller-Thurgau-Maniac" ist ein Ehrentitel, den wir an junge Winzer jeden Alters verleihen, die sich um die Renaissance dieser leider in Verruf geratenen Rebsorte verdient machen.
 
Eigentlich sollte ich Corinna und Stefan Heß nicht als Müller-Thurgau-Maniacs, sondern als Mainiacs bezeichnen, denn der traditionsreiche Weinbauort Rödelsee liegt nur wenige Kilometer entfernt vom Main.

Steigerwald nennt sich diese, neben dem Maindreieck und Mainviereck dritte große Weinregion Mainfrankens. Alle drei unterscheiden sich in der Charakeristik ihres Terroirs und ihrer Weine grundlegend und sind jeder für sich eine Weinreise wert.

Die 1700 Einwohner zählende Gemeinde Rödelsee liegt am Fuße des Schwanberges. Der arbeitet sich majestätisch im Norden der Ortschaft aus großzügiger, weiter Ebene in die Höhe und bildet ein Entrée zum Steigerwald.

Wir haben uns bei der Weinwerkstatt Heß zur Verkostung angemeldet, denn feste Öffnungszeiten hat ihr Verkauf keine. Corinna Heß begrüßt uns und bittet uns in den geschmackvoll eingerichteten Verkostungsraum. Der Stefan treibe sich irgendwo herum. Das sei an einem Samstagnachmittag normal, meint sie. Später würde er noch zu uns stoßen, der Stefan.
von Robert Bock

Freitag, 13. Mai 2016

Müller-Thurgau-Maniacs (II): Melissa und Stefan Bender

Foto: Weingut Bender
"Müller-Thurgau-Maniac" ist ein Ehrentitel, den wir an junge Winzer jeden Alters verleihen, die sich um die Renaissance dieser leider in Verruf geratenen Rebsorte verdient machen.
 


Manchmal fügt es sich, dass ein schöner Wein Musik gleicht ...

Wollte ich "M-Th's" verschiedener Winzer Werken der klassischen Musik zuordnen , vergliche ich den zuletzt vorgestellten Müller-Thurgau von Christoph Hammel vom Weingut Hammel & Cie. aus Kirchheim/Weinstraße (Pfalz) mit dem Vorspiel des 3. Aufzugs von  Richard Wagners Oper Siegfried (sogar der Text Wotans ("Wache, Wala") passt zur Auferweckung des M-Th "aus langem Schlaf".)

Melissa und Stefan Benders Rivaner-Interpretationen des Weinguts Bender in Neustadt-Geinsheim (Pfalz) vergliche ich hingegen mit Wolfgang Amadeus Mozarts luftig-duftigem, sonnenlichtdurchwirkten Konzert für Flöte, Harfe und Orchester in C-Dur (KV 299).

Mozartisch sind ihre beiden 2015er Rivaner - ja, das trifft es! Wie monumental sie sich doch unterscheiden von Hammels 2015er Müller-Thurgau "Große Tradition" vom Mühlheimer Hochgericht. Und das ist umso erstaunlicher, da beide Weingüter gerade mal 35km Landstraße voneinander trennen ...
von Robert Bock

Sonntag, 24. April 2016

Christoph Hammel: Der wiedergeborene Hermann Müller-Thurgau und seine Mission

Würdet Ihr diesem Mann eine Flasche Müller-Thurgau abkaufen?

Heute geht es ausnahmsweise mal nicht ums Essen - heute geht es um dessen Begleitung. Um den Müller-Thurgau: Einen Weißwein, der durch lieblosen, primär auf Quantität, weniger auf Qualität zielenden Umgang in Weinberg und Keller gewaltig an Reputation verloren hat.

Wie: Kein Riesling, kein Burgunder oder Chardonnay? Ausgerechnet um Müller- Thurgau soll sich's drehen? Muss das wirklich sein ...?

So tief in ihrem Ansehen sind die Weine der von Hermann Müller-Thurgau aus dem Schweizer Kanton Thurgau 1882 im Rheingau, genauer: in Geisenheim aus Riesling und Madeleine Royale gekreuzte Rebsorte gesunken, dass die wenigsten Weinenthusiasten - zu denen ich mich, anders als zu den Weinkennern zähle - auch nur eine Augenbraue lüpfen, wenn ihnen ein Gläschen dieses Weines angeboten wird. Im Gegenteil: rasch ziehen viele ihr Degustationsglas zurück, auf dass es nicht versehentlich davon benetzt werde ...

Zechwein in Literflaschen, ausgelobt als gefällig und unkompliziert (schlimmer ist nur noch das Versprechen, es handle sich um einen Terrassenwein); wo anders als unten im Regal des Discounters, sofern man sich dort überhaupt die Mühe gemacht hat, sie aus den bunten Kartons zu holen, ist er zu finden: so malt sich der Wein-Wissende das aus, denkt er an einen typischen "M-Th": Unter vier, was sag ich: unter drei Euro der Liter, ideal gegen abstehende Hemden, weil er so sauer ist, dass es einem die Arschbacken zusammenzieht, und aromatisch niedrigstmöglich dimensioniert. Oder aber halbtrocken, pappig, flach und gerade gut genug, sich einen anstrengenden Arbeitstag ex post halbwegs schön und lebenswert zu trinken. Warum also ausgerechnet Müller-Thurgau?
von Robert Bock