Samstag, 21. September 2019

Müller-Thurgau-Maniacs (XVII): Thomas Fröhlich | Weingut Ilmbacher Hof | Iphofen | Franken

Dass ein Winzer seinen Müller-Thurgau nicht aufgibt, sondern ihn sogar in Magnumflaschen füllt, habe ich so noch nicht erlebt.

Thomas Fröhlich liebe, so sagt er mir unumwunden, den Müller-Thurgau mehr, als den Silvaner.

Damit fällt er in Mainfranken aus dem Rahmen. Dort hat man sich - unterstützt von den übergeordneten Verbänden - darauf geeinigt, das gemeinsame Alleinstellungsmerkmal des fränkischen Weinbaus in der vielleicht urtypischsten Rebsorte Frankens zu kommunizieren.

Freilich baut auch sein Weingut Ilmbacher Hof in Iphofen einen sagenhaften Silvaner an und aus, aber Thomas' Liebe seines Herzens ist - selbstverständlich hinter seiner Frau Andrea und seinem Sohnemann - sein Müller-Thurgau.
von Robert Bock

Nie und nimmer würde er seinen Müller-Thurgau Rivaner nennen, sagt der weit über Frankens Grenzen hinaus bekannte DJ Thomas Fröhlich. Schnickschnack, Firlefanz ... Der Müller habe Frankens Weinbau über Jahrzehnte hin zu dem gemacht, was er heute ist, doch leider holten die meisten seiner Kollegen nicht aus der Rebe raus, was in ihr drin stecke. Das Literflaschenbilligimage der Rebsorte wurmt ihn ...

Als Thomas Fröhlich und Gattin Andrea den Betrieb von Papa Gerhard und Mama Hildegard übernahmen, habe der Vater nicht nachvollziehen können, weshalb der Sohn eine der besten Lagen des Traditionsbetriebs ausgerechnet dem Müller-Thurgau zugedenken wolle.

Raushauen die alten Reben (die ältesten Iphofens mittlerweile!) und einen modischeren Wein dort aufstocken! Der Jungwinzer lies sich indes nicht beirren und überzeugte alle Zweifler mit einem Müller, der sie staunen machte. Soviel Kraft, soviel Finesse und Lebendigkeit steckt in unseren alten Reben ...?!

Eine Flasche seines 2018 Müller-Thurgau "Alte Reben" vom Kronsberg haben mir Andrea und Thomas neben einer Flasche ihres im jungen, frischen "Stil der heutigen Zeit" ausgebauten 2018er Müller-Thurgau "Edition 106" mit auf die Heimreise gegeben, als ich sie neulich in ihrem Weingut besucht habe.

Thomas kümmert sich vor allem um den Weinbau, Andrea war und ist für die Umgestaltung der alten Gemäuer des Ilmbacher Hofs in der wunderschönen, mittelalterlichen Altstadt Iphofens nebst Ferienwohnung zuständig.

Welch prächtige, geschmackvolle moderne Räumlichkeiten da entstanden sind!

Da lässt sich gepflegt feiern, kosten und tafeln und die Besenwirtschaft des Ilmbacher Hofs dürfte zu den schönsten zählen, die Franken zu bieten hat.

Stilsicher und behutsam haben es Andrea und Thomas Fröhlich verstanden, mittelalterliche Bausubstanz zu erhalten, ihr Wesen zu akzentuieren und mit modernen architekonischen und innenarchitektonischen Anklängen zu vereinen. Schaut vorbei, wenn Ihr in Iphofen seid - das Weingut solltet Ihr Euch ansehen und en passant die wunderbaren Weine verkosten.

Zu meinen Verkostungsnotizen:


2018er Müller-Thurgau trocken QbA "Edition 106" | Weingut Ilmbacher Hof | Iphofen | Franken (Steigerwald) / 12,5% Alc. / Schraubverschluss

Im Glas (Gabriel Universalglas): hellgelb, klar
Nase: Gelber Apfel, Cherimoya, Lychee, reife Birne, Vanillekipferl
Zunge & Gaumen: Apfel, Kräuter, Artischoke, grünes Holz, frisch, mineralisch, dezente Bittertöne (Bittermandel)

Fazit: Der "unkompliziert" konzipierte Müller-Thurgau "Edition 106" in der schlanken Schlegelflasche erweist sich als unerwartet komplex und in seinen Grundnoten rebsortentypisch. Die Cherimoya- und Vanillekipferlnoten schmeicheln und betören, die kräutrig-bitteren, an den Saft entrindeter Haselruten erinnernden Noten fordern die Bereitschaft ein, sich mit diesem eleganten Tröpfchen eingehender zu beschäftigen.

So kannte ich dies bislang nur von den Müller-Thurgau-Weinen meines Primus inter pares unter allen Müller-Thurgau-Manics, Rainer Zang aus Nordheim am Main.


2018er Müller-Thurgau "Alte Reben" QbA | Iphöfer Kronsberg | Weingut Ilmbacher Hof | Iphofen | Franken (Steigerwald) /13,5% / Schraubverschluss

Im Glas (Spiegelau Authentis Weißweinkelch & Authentis Burgunderglas): strohgelb, klar, deutliche Schlierenbildung am Kelch
Nase: Honigmelone, Aprikose, Lychee, Nashibirne
Zunge & Gaumen: Gelber Apfel, Aprikose, Zimt, grünes Holz (Haselrute), ausgeprägt mineralisch-gipsig (Gipskeuperboden!), saftig

Fazit: Ja, so geil kann Müller-Thurgau sein, wenn man ihn mit Liebe und Leidenschaft vom Weinberg bis in die Flasche begleitet.

Schon die wuchtige, schwere braune Burgunderflasche kommuniziert: Hier kommt ein Wein auf dich zu, dem du dich mit voller Aufmerksamkeit widmen solltest. Im ersten Moment, nur die Nase im Glas, meinst du einen Riesling im Kelch zu haben, so springen dich die reifen Aprikosennoten an. Spätestens beim ersten Schluck erkennst du aber, dass dieser Wein sich über die nächsten Stunden hinweg entwickeln wird. Dicht und komplex, aber anfangs noch verschlossen präsentiert sich der extraktreiche Rebensaft. Die (jahrgangsgeschuldet) stattlichen 13,5% machen sich in keiner Phase störend bemerkbar.

Der 2018er Jahrgang braucht womöglich noch ein Weilchen Zeit. Zur Probe hole ich mir einen bauchigen Burgunderkelch. Ja! Der Saft der ältesten Reben Frankens benötigt Platz und reichlich Luft, damit er seine Finessen offenbart. Diesen Wein, den kann man ein paar Jährchen liegen lassen und wird vermutlich noch viel, viel mehr Freude an ihm haben, als ich sie hatte. Dass Thomas Fröhlich diesen Müller-Thurgau auch in Magnumflaschen füllt, ist mehr als bloser Marketing-Gag. Auf jeden Fall dürfte dies die Aufmerksamkeit der Wein-Community auf die leider verkannte Rebsorte lenken helfen, die Familie Fröhlich und ich so lieben.



Mit Fug und Recht erweitert Thomas Fröhlich - und mit ihm seine Familie - die Galerie meiner Müller-Thurgau-Maniacs: Winzer, die ihren Müller-Thurgau lieben, ihn hegen und pflegen und dem Rest der Weinwelt zeigen, welch wahren Schatz man da bisweilen an der Seitenlinie verkümmern lässt.

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