Donnerstag, 21. Januar 2016

VyVu revisited

Wo geht man als Mann mit dreieinhalb ausgesprochen charmanten Damen "exotisch" essen? Zwei der drei extra aus dem fernen Sibirien eingeflogen - eine drei Jahre alt, des Russischen aber bereits mächtig, wie ich es nie sein werde.

Eine Blamage vor unseren Gästen muss selbstverständlich ausgeschlossen sein ... Exotisch soll es also werden, wünscht sich der weitgereiste Besuch und darunter stellen sie sich keine bairische Küche vor ... Bleibt im Grunde nur das vietamesische Restaurant VyVu in der Prinz-Ludwig-Straße 9 übrig, meint Madame. So soll es sein. Heute also unser Wiederholungsbesuch.

Würde das VyVu halten, was es beim Erstbesuch versprochen hatte? Oder würde der junge Stern am Firmament der Regensburger Asia-Restaurantszene vor dem Hintergrund unbestechlicher, subjektiver und gnadenlos ehrlicher Restaurantkritik verglühen ...?
von Robert Bock
Unseren geliebten Riesling aus dem Rheingau orderten wir gleich mal als ganze Flasche. Warum sich mit 0,2 Litern aufhalten, wenn man weiß, dass das Weingut Wegeler ein feinherbes 2014er-Tröpfchen vom Allerfeinsten abgefüllt hat, das nicht besser zur Begleitung vietnamesischer Speisen passen könnte?

Die Flasche wurde kompetent gekühlt in einem Flaschenkühler mit Eiswasser nebst Damastserviette als Manschette geliefert. Ausgezeichnet dazu die Weißweingläser - wie schon zuletzt - aus dem Hause Schott/Zwiesel. So muss das aussehen.

100 Meter weiter östlich in einem auf Haute Cusine und Schikimicki-Grill machenden Restaurant, in dem wir neulich zu Gast waren, könnte man hier im VyVu in Sachen Wein eine Menge - eine ganze Menge! - lernen. Von der auf dem Teller angelangten, nicht lediglich in der Theorie vorhandenen Kochkompetenz der Küchencrew gar nicht erst zu reden ... Angefangen bei der Wahl des Glases, bis zur Auswahl der Weine. Viele Positionen auf der Karte bzw. im Keller sind nicht automatisch gut - zwei Handvoll kompetent gewählter Tröpfchen genügen vollauf.

Dazu bedarf es jedoch keiner mittelmäßigen, sondern einer ausgezeichneten Beratung des Gastronomen, eines Lieferanten mit unbestechlichem Fachwissen und einem überzeugenden Sortiment oder eines hauptamtlichen Sommeliers. Ich erneuere mein bereits zuletzt ausgesprochenes Lob an die das VyVu beratende Weinexpertin: Frau Lauren Koch aus München. Ihr Mann, Otto Koch, ein mehrfach besternter Küchenchampion der ersten Reihe, hat die richtige Frau in Weinfragen an seiner Seite. Die Flasche Riesling wurde uns zu 18,50 EUR in Rechnung gestellt. Hier stimmen Preis und Leistung, hier bestellen wir gerne wieder ein ganzes Fläschchen.

Nun aber zu den Speisen ... Mir war - ein kalter Tag , ich durchgefroren - nach einem Klassiker der vietnamesischen Suppenküche: Pho Bo. Ein Traum von einer Suppe (siehe Foto ganz oben), mindestens vier Stunden geköchelt, mit breiten Reisnudeln, Rindfleisch, exotischen Kräutern und Gewürzen nebst zweierlei Würzsaucen zur Wahl.

Die Variante in klein zu 6,50 EUR. Fazit: Absolut empfehlenswert - eine Explosion exotischer Aromen von Basilikum, über Koriander bis Zitronengras. Sofort war mir warm und der Spaß konnte Fortsetzung finden. Mein Begleiterinnen orderten zweimal Wan-Tan-Suppe und Frühlingsrollen. Durch die Bank Zufriedenheit bis Begeisterung. Ein gelungener Start in den Abend!


Im Hautgang bestellte ich Mi Vit: gebratene Ente auf gebratenenen Eiernudeln nebst einem Sträußchen asiatischer Kräuter zum Darüberrupfen (EUR 15,50). Die Ente - behaupte ich - kann man schlicht nicht besser braten: zart rosa im Kern, saftig, aromatisch, die Haut knusprig und rund gewürzt.

Meine Damen speisten: Ebenfalls gebratene Ente - jedoch mit Reis und jeweils unterschiedlichen Saucen. Wovon ich kosten durfte, davon war ich jeweils sehr angetan.


Tja, und zum Nachtisch? Schwarzes Sesameis - was auch sonst? Wer meine Erstbesprechung des VyVu gelesen hat - was ich dringend anempfehle, falls noch nicht geschehen - der weiß, dass ich an dieses hausgemachte Sesameis mein Herz verloren habe. Auch an die Vanillevariante, die mir heute noch aromatischer schien als beim letzten Mal.



Meine dreieinhalb charmanten Russinnen waren angesichts der erneut hervorragenden Performance von Küche und Service überwältigt.
Der Hahn im Korb nippte satt und zufrieden an seinem Espresso, der diesmal um zwei Klassen besser gelungen war als beim Erstbesuch. Vor allem war er diesmal heiß, statt lauwarm!


Für Viereinhalb Personen, jeweils drei Gänge, Wasser, Wein, Bier, Saft, diverse Kaffee's und Pipapo bezahlten wir 159,10 EUR zuzüglich Trinkgeld.

Summa summarum ein sehr schöner Abend in angenehmer Atmosphäre, freundlichem, schnellen Service und ausgezeichneten Speisen.

Wir erneuern unser Urteil - diesmal verstärkt durch eineinhalb Stimmen aus Jekaterinburg am westlichen Rand Sibiriens (die halbe davon recht piepsig) und eine weitere aus München - und empfehlen das VyVu uneingeschränkt für einen Besuch mit gehobenem Anspruch an asiatische Küche.  

Das VyVu zählt für uns zu den besten Restaurants in Regensburg und ich freue mich auf weitere Besuche in der Zukunft.

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