Samstag, 23. Juli 2016

Beim Huf in Tremmelhausen

Ob es in Regensburg - ausgenommen Zuagroaßte und Preissn - jemanden gibt, der dieses Ausflugslokal nordwestlich der Stadt nicht kennt, darf angezweifelt werden.

Falls nicht unter dem offiziellen Namen "Höhwirt", der über der Eingangstüre prangt, so doch unter dem Namen der Inhaber, der Familie Huf.

Gemma oder radeln mer nauf zum Huf, machma Brotzeit und trink mer a Hoibe vom Prössl seim süffign Bier! Wie oft mag dieser Schlachtruf wohl in Regensburg und seiner näheren Umgebung - ausgenommen Donnerstags, da hat der Höhwirt nämlich Ruhetag - an einem Wochenende mit schönem Wetter, erklingen?
von Robert Bock

Madame und ich stellen meistens das Auto am Wanderparkplatz an den Winzerer Höhen oberhalb Steinweg oder weiter westlich oberhalb Kager ab und wandern dann über die weite Hochebene mit ihrem herrlichem Fernblick in alle Himmelsrichtungen gen Tremmelhausen.  Viele Mountainbiker tummeln sich auf den Feldwegen. Fußgänger und Radler gehen freundlich und rücksichtsvoll miteinander um hier oben.

In 45 bzw. 30 Minuten (ab Parkplatz Kager) für die einfache Strecke sind wir dort angekommen und genehmigen uns eine deftige Brotzeit. An Sonntagen gibt es meistens auch etwas Warmes und/oder ein Stück hausgemachten Kuchens.

Speisen links ums Eck am Fenster, Getränke rechts ums Eck am Fenster: Hier ist Selbstbedienung und das Angebot an Speisen und Getränken wie in der guten alten Zeit.

Es gibt zwar eine feste Brotzeitkarte auf einem Blatt Papier, aber ansonsten weiß man nie so recht, ob und was es an Speisen außerhalb der Reihe gibt.

Ich erinnere mich gerne eines knackig kalten Sonntags im November. Da stand die Sonne tief über einem klaren Horizont und wider erwarten gab es beim Huf eine wundervolle, vor allem warme Kürbissuppe mit einem kräftigen Schuss Kürbiskernöl und einem Ranken des würzigen Schwarzbrots, das man hier serviert, um die Suppenreste damit restlos aufzutunken.
Hier oben unter freiem Himmel an die Hauswand gelehnt an einer sommerlichen Biertischgarnitur sitzend in eine kraftlose Nachmittagssonne blinzeln und sich die Hände an einer Suppenschale wärmen, während die Stadt in einer Nebelsuppe hängt - das hat was ...
Heimwandern in einer stillen, fast schon winterlich besinnlichen Natur mit Blick auf ein vom Abendrot Orange gefärbtes Wattemeer von Nebel, aus dem vereinzelt Kirchturmspitzen ragen, den Bauch voll warmer Kürbissuppe - das auch.

Hätten wir heute am ersten Julisonntag 2016 etwas Warmes essen wollen, hätte es nur warmen Leberkäs gegeben - macht aber nichts, denn uns steht der Sinn ohnehin nach den ausgezeichneten kalten hausgemachten Wurst- und Schinkenspezialitäten: Brotzeit also, statt klassischem Sonntagsbraten heute. Auch eine hausgemachte Tellersulz war den Hufs heut wohlfeil - verlockend aber auf eine Sulz haben weder Madame und ich heute einen rechtschaffenen Glust.

Der Huf hat ein ganz eigenes Fluidum und das zu jeder Jahreszeit. 

Immer kann man draußen sitzen, wenn es die Witterung zuläßt und nie ist es an einem sonnigen Tag zu kalt. Wie es innen aussieht weiß ich gar nicht und es ist mir auch egal. Huf ist für mich gleichbedeutend mit Freisitz.

Das Schlichte und Ursprüngliche, die derben, grundehrlichen Speisen und das ausgezeichnete Bier vom Adlersberg inmitten uralter Kastanien, der weite Blick gen Kloster Adlersberg, Vogelgezwitscher, leises Murmeln der übrigen Gäste, Kinderlachen, Entspannung und Idylle in fußläufiger Entfernung zur Stadt. Nirgends ist die südliche Oberpfalz oberfränkischer als hier beim Huf in Tremmelhausen - vor allem des konkurrenzfähigen roten und weißen Pressacks und Bauernschmauses wegen, den Familie Huf, wie alle Wurstwaren übrigens, selbst produziert. Wenn ich schon nicht nach Leups zum Gradl komme, dann muss es wenigstens der Huf in Tremmelhausen sein. Der kommt stilistisch verdammt nah an die oberfränkischen Originale des Bierquellenwanderwegs heran ...

Madame kümmert sich heute am rechten Fenster um zwei Radler (je 2,70 EUR), ich am linken um eine Bauern- und eine Wurstplatte zu je 4,60 EUR. Dazu noch Butter und Brot (je Würfel bzw. Scheibe 40 Cent).

Beide Brotzeitbretter sind reichlich und vielfältig belegt und was sich darauf findet, Scheibe für Scheibe exzellent. Ich hänge mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass in Regensburg kein einziger Metzger der Handwerkskunst der Familie Huf das Wasser reichen kann.

Wer dieses Kleinod von Wirtshaus tatsächlich noch nicht kennt, sollte es wenigstens ein einziges Mal aufsuchen. Und sei es nur, um Mitreden zu können. Wer faul ist, kann auch über Schwetzendorf oder Kareth mit dem Auto nach Tremmelhausen gelangen, aber glaubt mir: Die Befriedigung ist vielfach größer, wenn man auf Schusters Rappen oder dem Velo dieses kulinarische Ausflugsziel erreicht und irgendwann satt und zufrieden wieder heimwärts zuckelt und dabei die herrliche Aussicht genießt.

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